Andacht und Hingabe - A-SITE

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Andacht und Hingabe

Lebensübungen
Zwölftes Kapitel:
Bhakti-Yoga - der Yoga durch Hingabe 

ARJUNA SPRACH *
1. Die so beständig andachtsvoll dich verehren, und die dem Kult
Des Unvergänglichen sich weih'n' - wer ist der Andacht besser kund?

DER ERHABENE SPRACH *
2. Die ganz in mich versenkt nur mir andächtig stets Verehrung weihn,
Von höchstem Glauben ganz erfüllt, denen gebührt der Andacht Preis.

3. Doch die dem Unvergänglichen, Unsichtbaren Verehrung weihn,
Das üb'rall weilt, unvorstellbar, fest, unbeweglich, gipfelhoch;

4. Die, bänd'gend ihrer Sinne Schar, gleichgesinnt gegen jedermann,
An aller Wesen Heil sich freun, - auch die erlangen mich gewiß.

5. Mehr Mühsal aber haben sie, die sich dem Unsichtbaren weihn;
Von Körperwesen wird nur schwer das unsichtbare Ziel erreicht.

6. Die aber all ihr Tun auf mich hinwerfen, mir ergeben ganz,
In Andacht, die nur mir geweiht, mich verehren, in mich versenkt,


7. Denen werd' ich ein Retter sein aus dem Meere der Todeswelt,
In Kürze schon, o Prithâ-Sohn, wenn all ihr Denken mir gehört.

8. Drum richt' auf mich nur deinen Sinn und senk' in mich nur deinen Geist,
So wirst du wohnen auch in mir nach dieser Zeit unzweifelhaft.

9. Doch kannst dein Denken du in mich noch nicht versenken ganz und gar,
Dann suche zu erreichen mich durch Andacht (Versenkung, Kapitel 6), die du eifrig übst.

10. Bist du auch dazu noch zu schwach, dann weihe dich dem Tun für mich, -
Wenn meinethalb du Werke tust, wird auch Vollendung dir zuteil.

11. Wenn du auch das nicht leisten kannst, auf die Andacht zu mir gestützt,
Verzicht' auf aller Taten Frucht, als einer, der sich selbst bezähmt.


12. Mehr ist Erkenntnis als Bemühn, Versenkung noch viel höher steht,
Noch höh'r Verzicht auf Tatenfrucht, - dann ist der Seelenfrieden da.

13. Wer keinem Wesen feindlich ist, freundlich gesinnt und mitleidsvoll,
Von Selbstsucht und von Dünkel frei, geduldig, gleich in Leid und Lust,

14. Zufrieden, immer andachtsvoll, sich zügelnd, dem Entschlusse treu,
Mit Sinn und Geist in mich versenkt, - wer so mich ehrt, der ist mir lieb.

15. Vor dem die Welt nicht zittern muß, der auch nicht zittert vor der Welt,
Wer frei von Freude (über Weltliches), Unmut, Furcht und Aufregung, der ist mir lieb.

16. Unbekümmert, rein und tüchtig, unparteiisch und unverzagt,
Alle Pläne fahrenlassend, - wer so mich ehrt, der ist mir lieb.

17. Wer nicht frohlocket und nicht haßt, um nichts trauert und nichts begehrt,
Wer (weltliches) Wohl und Übel fahrenläßt und mich verehrt, der ist mir lieb.

18. Gleichmütig gegen Feind und Freund, gleichmütig gegen Ehr' und Schmach,
Kält' und Hitze, Glück und Unglück, befreit vom Hängen an der Welt (Materiellem);

19. Lob und Tadel gleich viel achtend, schweigsam, zufrieden immerdar,
Ohn' Haus und Heim, von festem Sinn, - solch ein Verehrer ist mir lieb.


20. Und die dem Nektar meines Worts, dem heiligen, Verehrung weihn,
Glaubensvoll, mir ganz ergeben, mich liebend - ja, die sind mir lieb! 
Johannes - Kapitel 12
Salbung Jesu in Betanien

1 Jesus nun kam sechs Tage vor dem Passah nach Bethanien, wo Lazarus, der Gestorbene, war, welchen Jesus aus den Toten auferweckt hatte.
 2 Sie machten ihm nun daselbst ein Abendessen, und Martha diente; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische lagen. 
  3 Da nahm Maria ein Pfund Salbe von echter, sehr kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete seine Füße mit ihren Haaren. Das Haus aber wurde von dem Geruch der Salbe erfüllt.

4 Es sagt nun einer von seinen Jüngern, Judas, Simons Sohn, der Iskariot, der ihn überliefern sollte: 
  5 Warum ist diese Salbe nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben worden? 
  6 Er sagte dies aber, nicht weil er für die Armen besorgt war, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und trug, was eingelegt wurde.

7 Da sprach Jesus: Erlaube ihr, es auf den Tag Meines Begräbnisses aufbewahrt zu haben; 
  8 denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, Mich aber habt ihr nicht allezeit. 

Anschläge der Hohenpriester gegen Lazarus

9 Eine große Volksmenge aus den Juden erfuhr nun, daß er daselbst sei; und sie kamen, nicht um Jesu willen allein, sondern damit sie auch den Lazarus sähen, welchen er aus den Toten auferweckt hatte. 
  10 Die Hohenpriester aber ratschlagten, auf daß sie auch den Lazarus töteten, 
  11 weil viele von den Juden um seinetwillen hingingen und an Jesum glaubten.

Einzug in Jerusalem

12 Des folgenden Tages, als eine große Volksmenge, die zu dem Feste gekommen war, hörte, daß Jesus nach Jerusalem komme, 
  13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus, ihm entgegen, und schrieen: Hosanna! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!
14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: 
  15 "Fürchte dich nicht, Tochter Zion! siehe, dein König kommt, sitzend auf einem Eselsfüllen". 
  16 Dies [aber] verstanden seine Jünger zuerst nicht; jedoch als Jesus verherrlicht war, dann erinnerten sie sich, daß dies von ihm geschrieben war und sie ihm dies getan hatten. 
  17 Es bezeugte nun die Volksmenge, die bei ihm war, daß er Lazarus aus dem Grabe gerufen und ihn aus den Toten auferweckt habe. 
  18 Darum ging ihm auch die Volksmenge entgegen, weil sie hörten, daß er dieses Zeichen getan hatte. 
  19 Da sprachen die Pharisäer zueinander: Ihr sehet, daß ihr gar nichts ausrichtet; siehe, die Welt ist ihm nachgegangen.

Über das Sterben des Menschensohnes

20 Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinaufkamen, auf daß sie auf dem Feste anbeteten. 
  21 Diese nun kamen zu Philippus, dem von Bethsaida in Galiläa, und baten ihn und sagten: Herr, wir möchten Jesum sehen.
22 Philippus kommt und sagt es Andreas, [und wiederum] kommt Andreas und Philippus, und sie sagen es Jesu. 
  23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, daß der Sohn des Menschen verherrlicht werde. 
  24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. 
25 Wer sein (weltliches) Leben liebt, wird sein ewiges verlieren; und wer das weltliche Leben haßt, wird es zum ewigen Leben bewahren. 
26 Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach; und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wenn mir jemand dient, so wird der Vater ihn ehren.
27 Jetzt ist meine Seele bestürzt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. 
28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wiederum verherrlichen.
29 Die Volksmenge nun, die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet. 
  30 Jesus antwortete und sprach: Nicht um meinetwillen ist diese Stimme geschehen, sondern um euretwillen. 
31 Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden.
32 Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
33 (Dies aber sagte er, andeutend, welches Todes er sterben sollte.) 
  34 Die Volksmenge antwortete ihm: Wir haben aus dem Gesetz gehört, daß der Christus bleibe in Ewigkeit, und wie sagst du, daß der Sohn des Menschen erhöht werden müsse? Wer ist dieser, der Sohn des Menschen? 35 Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht unter euch; wandelt, während ihr das Licht habt, auf daß nicht Finsternis euch ergreife. Und wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht.
36 Während ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, auf daß ihr Söhne des Lichtes werdet. Dieses redete Jesus und ging hinweg und verbarg sich vor ihnen.

Unglaube und Glaube bei den Juden

37 Wiewohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn
  38 auf daß das Wort des Propheten Jesajas erfüllt würde, welches er sprach: "Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn geoffenbart worden?" 
  39 Darum konnten sie nicht glauben, weil Jesajas wiederum gesagt hat: 
  40 "Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, auf daß sie nicht sehen mit den Augen und verstehen mit dem Herzen und sich bekehren, und ich sie heile."
41 Dies sprach Jesaja, weil er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete.
42 Dennoch aber glaubten auch von den Obersten viele an ihn; doch wegen der Pharisäer bekannten sie ihn nicht, auf daß sie nicht aus der Synagoge ausgeschlossen würden;
43 denn sie liebten die Ehre bei den Menschen mehr als die Ehre bei Gott. 

Abschluß der öffentlichen Wirksamkeit Jesu: Folgen des Glaubens und des Unglaubens

44 Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat; 
  45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. 
46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf daß jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe; 
  47 und wenn jemand meine Worte hört und nicht bewahrt, so richte ich ihn nicht, denn ich bin nicht gekommen, auf daß ich die Welt richte, sondern auf daß ich die Welt errette.
48 Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten an dem letzten Tage. 
  49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, er hat mir ein Gebot gegeben, was ich sagen und was ich reden soll; 
  50 und ich weiß, daß sein Gebot ewiges Leben ist. Was ich nun rede, rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat.          
Sowohl in der Bhagavad Gita, als auch im Johannes Evangelium  ist eine Abfolge zu erkennen, wodurch man der Liebe Gottes näher ist.

Die Hingabe (Liebe Gott über alles - und daraus die Nächstenliebe) bezeichnen sowohl Krishna, als auch Jesus als höchstes Gebot.
Im I GING ist dies neben der aufnahmefähigen Erde das Zeichen des Windes und Holzes, der "ältesten Tochter". Einfühlsam, eindringend wie der Wind
In der Offenbarung Johannis Kapitel 12 ist es das schwangere Weib, schwanger mit dem Geist Gottes, dem Geist der Wahrheit.
Es ist die Braut Christi, die sich hingibt.
Bei Krishna wurde diese geistige Liebe äußerlich dargestellt, aber so ist das nicht gemeint - und Christus macht noch deutlicher klar, dass dies keineswegs ein äußerliches Begehr ist, sondern geistige Liebe.
Siehe auch "Der kürzeste Weg" zur Wiedergeburt des Geistes.

[GS 2.117.18] Wer aber sieht hier nicht, welchen geringen Ersatz der Herr von dieser Sünderin für die Hingabe des Himmelreiches verlangt – bloß einen Trunk Wassers! Also ist auch einem jeden nur einigermaßen in der Schrift bewanderten Christen das Begebnis mit der Ehebrecherin und das Leben der Maria Magdalena bekannt. Der ersteren Schuld schreibt der Herr zweimal in den Sand und Magdalena durfte Ihm die Füße salben und war diejenige, zu der der Herr nach Seiner Auferstehung zuerst kam! Ebenso zeigt der Herr auch beim verlornen Sohne und im Suchen des hundertsten verlornen Schafes, wie wenig Er von dem Sünder zur Erlangung der Gnade und Erbarmung verlangt!

Auch mit einem unpersönlichen Gott käme man zum Ziel, wenn man alle Tugenden hält, was aber schwer ist. Aber die Liebe zum persönlichen Gott, der er ja ist, geht viel leichter. Allerdings ist das seit der Niederkunft Gottes so, dass es ein höheres Ziel gibt. In den durch Jesus neu eröffneten 3. Himmel kann allerdings niemand, der nicht Jesus als Gott anerkennt, weil er ja sonst im Falschen wäre.

Durch die Niederkunft Gottes ist dieser noch leichter zu fassen und zu lieben. Die Salbung Jesu mit Öl, welches die Liebe darstellt, wird als die richtige Hingabe dargestellt.

Was ist mit jenen, welche diese Liebe (noch) nicht aufbringen können? Krishna empfiehlt Übung in der Versenkung/Andacht als Einführung. Siehe unten.

Und falls das auch noch nicht klappt? 
Jesus sagte zu den Pharisäern: Dann glaubt mir wenigstens wegen Meiner Werke!
Krishna redet auch von Werktätigkeit und Verzicht auf "Früchtedenken".

Das Thema "Früchtedenken" kann verwirren, denn Jesus erklärt ja, dass man gute Früchte bringen soll.
Ja, das eine sind weltliche oder egoistische Früchte (Folgen, Ziele) wegen derer man nichts tun soll und das andere der Geist als Frucht.

Zuletzt (Absatz 48) geht es noch um jene, die Jesus garnicht glauben wollen und dass diese durch die erklärenden Worte, die sie nicht glauben wollen, gerichtet sind. Weil sie nicht zur Liebe kommen können.
I GING Zeichen 48.3: Der Brunnen ist gereinigt, doch man trinkt nicht daraus. Das ist des Handelnden Leid.

Sechstes Kapitel: Dhyâna-Yoga - der Yoga der Versenkung
DER ERHABENE SPRACH *
1. Wer, nicht auf Tatenfrucht bedacht, die pflichtgemäße Tat vollbringt,
Ist entsagungs- und andachtsreich, nicht wer feuer- und tatenlos
2. Was man Entsagung nennt, das ist Andacht - wisse, o Pându-Sohn!
Denn wer den Wünschen nicht entsagt, der kann auch nicht andächtig sein.

3. Der Weise, der nach Andacht strebt, dem ist die Tat sein Element,
Doch wer die Andacht hat erreicht, des Element ist Seelenruh.

(Anm.: Tat=Überwinden.)
4. Wer an sinnlichen Dingen nicht noch an den Taten irgend hängt
Und allen Wünschen hat entsagt, der hat die Andacht, heißt's, erreicht.
5. Man bring' sein Selbst durchs Selbst empor, nicht bring's herunter man das Selbst!
Das Selbst ist ja sein eigner Freund, das Selbst ist auch sein eigner Feind.
6. Dem ist das Selbst sein eigner Freund, der durch das Selbst das Selbst besiegt;
Doch kämpft es mit der Außenwelt, dann wird das Selbst sich selbst zum Feind.
7. Wer sich bezwang und ruhig ward, in dem wohnt still der höchste Geist,
In Kält' und Hitze, Lust und Leid, in Ehren und in Schanden auch.
8. In der Erkenntnis voll beglückt, gipfelhoch stehend, sinnbezähmt,
Andächtig heißt der Yogin dann, wenn Erdkloß, Stein und Gold ihm gleich.
9. Wer gegen Freund und Widerpart, Gleichgült'ge, Feind' und Sippen auch,
Gegen Gute wie Böse auch gleichgesinnt ist, der ragt empor.

YOGA!
10. Der Yogin soll beständig sich abmühen in der Einsamkeit,
Allein, bezähmend Sinn und Selbst, nichts hoffend, des Besitzes bar.
(Einsamkeit? Öfter Rückzug zu Gott)

11. An reinem Ort sich hinstellend einen sicher stehenden Sitz,
Nicht allzu hoch, zu niedrig nicht, darauf ein Kleid, Fell, Kusha-Gras;
12. Den Geist auf einen Punkt richtend, zügelnd Denken, Sinne und Tun,
Sich setzend auf den Sitz üb' er Andacht, zur Rein'gung seiner selbst.
13. Gleichmäßig Körper, Nacken, Haupt unbewegt haltend, bleib' er fest,
Schauend auf seine Nasenspitz'
- nicht blick' er hier- und dorthin aus.
14. Ruhigen Selbstes, frei von Furcht, der Keuschheitsregel untertan,
Den Sinn zügelnd, an mich denkend, andächtig sitz' er, mir geweiht.
15. Sein Selbst beständig rüstend so, andächtig, mit bezähmtem Geist,
Geht er zu meinem Frieden ein, des höchstes Ziel Nirvâna ist.
16. Wer zuviel ißt, kennt Andacht nicht, noch der, der ganz und gar nicht ißt;
Nicht wer zu sehr verschlafen ist, noch wer stets wacht, o Arjuna.
17. Wer mäßig ißt und sich erholt, mäßig wirket in Handlungen,
Mäßig im Schlaf und Wachen ist, hat Andacht, die den Schmerz zerstört.
18. Bei wem das Denken ganz bezähmt stille verharret in dem Selbst,
Wenn von Begierden er ganz frei, dann wird er andächtig genannt.

19. Wie die Lampe, vom Wind geschützt, nimmer flackert, - dies Gleichnis gilt
Vom Yogin, der sein Denken zähmt und Andacht übet an dem Selbst.
20. Wo das Denken zur Ruhe kommt, durch Andachtsübung eingedämmt,
Und wo man, mit dem Selbst das Selbst schauend, sich an dem Selbst erfreut;
21. Wo man das grenzenlose Glück, dem Geist faßbar, den Sinnen nicht,
Kennend und fest darin stehend sich von der Wahrheit nicht bewegt;
22. Und hat man den Gewinn erlangt, ihn über jeden andern schätzt,
In dem verharrend man vom Schmerz, auch schwerem, nicht mehr wird bewegt;
23. Solche Lösung vom Schmerzverein, wisse, die wird Andacht genannt;
Die Andacht üb' entschlossen man, und werde ihrer nimmer satt.


24. Begierden, die der Wunsch erzeugt, aufgebend all ohn' Unterschied,
Die Schar der Sinne mit Vernunft im Zaume haltend allerwärts;
25. Werd' langsam, langsam ruhig man, und mit standhaft gewordnem Geist
Versenke man sich in das Selbst und denke an nichts andres mehr.
26. Wo immer nur ausbrechen will der schwankende, unstäte Sinn,
Da soll man bänd'gen ihn in sich und zum Gehorsam bringen ihn.
27. Denn den Andächt'gen, dessen Sinn beruhigt ist, wird höchstes Glück Erfüllen, - leidenschaftgestillt, Brahman-geworden, ist er rein.
28. Sein Selbst beständig übend so, wird der Andächt'ge, sündenfrei,
Erlangen unbegrenztes Glück, wo er mit Brahman sich berührt.
29. Sich selbst in allen Wesen sieht und alle Wesen auch in sich,
Wer so sein Selbst in Andacht übt und alles schaut gleichmütig an.
30. Wer mich allüberall erblickt und alles auch in mir erblickt,
Dem kann niemals entschwinden ich, und er entschwindet niemals mir.

31. Wer mich in allen Wesen ehrt, der Einheitslehre huldigend,
Der, wie er immer sich bewegt, bewegt sich andachtsvoll in mir.
32. Wer nach Analogie des Selbst allüberall das gleiche sieht,
Ob es nun Lust sei oder Leid, steht in der Andacht obenan.

ARJUNA SPRACH *
33. Die Andacht, welche so von dir samt dem Gleichmut verkündet ist,
Sie hat - ich seh' es - nicht Bestand, denn schwankend ist einmal der Mensch.

34. Es schwankt der innre Sinn, Krishna, ist ungestüm, gewaltsam, hart;
Zu zügeln ihn acht' ich so schwer als wie des Windes Zügelung.
DER ERHABENE SPRACH *
35. Gewiß, Großarmiger, der Sinn ist schwer zu zügeln, schwankend auch,
Doch, Kunti-Sohn, durch Anstrengung und Entsagung zwinget man ihn.

36. Wer sich nicht zähmt, der kann nur schwer Andacht erreichen - denk' ich mir -,
Wer sich bezwang und wer sich müht, kann solcherart erreichen sie.
ARJUNA SPRACH *
37. Wer sich nicht zähmt, doch gläubig ist, - bei der Andacht, schwankenden Sinns,
Andachtsvollendung nicht erreicht, o Krishna, welchen Weg geht der?
38. Geht er nicht, scheiternd beiderseits, zerrißnen Wolken gleich zugrund,
Ohn' allen Halt, Großarmiger, verirret auf dem Weg zu Gott?
39. Den Zweifel mußt du, Krishna, mir auflösen, daß nichts übrig bleibt,
Es findet ja kein andrer sich, der diesen Zweifel löst, als du.
DER ERHABENE SPRACH *
40. O Prithâ-Sohn, nicht hier noch dort muß solch ein Mann zugrunde gehn,
Denn niemand, der redlich verfährt, soll in das Elend kommen, Freund!
41. Wenn in der Welt der Frommen er geweilet viele Jahre lang,
Ersteht in reinem, edlem Haus aufs neu, wer aus der Andacht fiel;
42. Oder er wird geboren gar in andächtiger Weisen Haus, -
Und solcherlei Geburt ist doch schwer zu erlangen in der Welt.
43. Und hier erlangt denselben Geist er wieder wie im alten Leib,
Und ringt von nun an eifriger um die Vollendung, Kuru-Sohn.
44. Wenn er nur eifrig sich bemüht, andachtsvoll und von Sünden rein,
Vollendet durch manche Geburt, wandelt er dann die höchste Bahn.
45. Wenn er nur eifrig sich bemüht, andachtsvoll und von Sünden rein,
Vollendet durch manche Geburt, wandelt er dann die höchste Bahn.
46. Höher steht der andächt'ge Mann als die Büßer und Weisen gar,
Höher auch als die Werkfrommen - drum sei andächtig, Arjuna!


47. Und unter den Andächt'gen all, wer mich verehret glaubensvoll,
Sein Innres ganz mir wendend zu - gilt mir als der Andächtigste.
54. Kapitel — Henochs Rede über das wahre Danken und Loben

[HG 1.54.1] Und somit erhoben sich beide, dem Morgen den Rücken kehrend, und gingen vom Berge, an dessen Fuß sie schon der Seth sehnsüchtig erwartete. Und als sie nun zum Seth gelangten, da warf sich dieser vor Adam hin; dieser aber erteilte ihm den Morgensegen und hieß ihn hernach sich erheben vom Boden und dann sie geleiten zur Hütte.

[HG 1.54.2] Nach kurzem daselbst anlangend begaben sich Adam und Henoch alsbald in die Hütte, wo die Mutter Eva schon sorglich ihrer harrte. Seth aber eilte alsogleich in seine Hütte und hieß sein Weib eilends das bereitete Frühmahl in die Hütte Adams tragen, – er aber und der Enos, Kenan, Mahalaleel und der überfrohe Jared lobten zuvor Meinen Namen und begaben sich dann ehrfurchtsvoll in die Hütte Adams, um demselben den gebührenden Morgengruß und des Segens Dank abzustatten. Als sie darob voll Ehrfurcht in die Hütte Adams traten und beginnen wollten ihre Schuldigkeit, siehe, da gemahnte sie der Adam, eine kurze Zeit innezuhalten, bis erst der Henoch vollenden werde das soeben zu beginnende Gebet vor dem Frühstücke. Und als sie solchen Wunsch vernommen hatten, siehe, da hielten sie inne, traten etwas zurück, ihre Augen und Ohren und Herzen an den Mund Henochs legend, und dieser aber begann folgendes Gebetlein an Mich in aller Treue zu richten, indem er also begann:

[HG 1.54.3] „Übergroßer, liebevollster, heiligster Vater, neige gnädig Dein heilig Ohr an meinen schwachen Mund, und vernimm das armselige Gewimmer eines bestaubten Wurmes der Erde an dem Tage der ewigen Erbarmung Deiner unendlichen Liebe, da es Dir wohlgefiel, dem Staube der Erde unsern Erzvater Adam und aus ihm die Erzmutter zu entwinden und in beide nachher die zeugende Segenskraft zu legen, in deren Fülle wir alle und noch ein zahlloses Gefolge aus dem Samen der Liebe geworden sind und noch uns nachfolgen werden zahllose Geschlechter auf Geschlechter bis ans Ende aller Zeiten, – den Du, o bester, heiligster Vater, aus Deiner ewigen Liebe nahmst, auf daß unsere Seele Dir zu einem lebendigen Ebenbilde durch die Liebe Deines Geistes in ihr zu werden vermöchte! Oh, habe Dank, Lob und Preis für solche Gnade und Erbarmung, deren Größe wir nicht zu ahnen vermögen, daß Du Dich so weit herablassen mochtest, zu gebieten dem, das ewig nicht war, daß es werde und bestehe, in aller Freiheit zu erkennen sich und Dich und zu schauen Deine Erhabenheit und zu staunen über die Werke Deiner großen Macht und Herrlichkeit!

[HG 1.54.4] Siehe, wir sind hier im Angesichte Adams, Deines erhabenen Erstlings, und vor uns befindet sich schon eine gute, frische Labung des Leibes! O heiligster, bester Vater, segne uns, und segne diese frische Labung, auf daß sie uns zum Leben in Deiner Liebe und nie mehr zum Tode Deines Zornes gereichen möchte, und laß uns alle durch Deine Gnade wohl eingedenk sein, was Deine unendliche Liebe an diesem Vorsabbate an uns allen und für uns alle unendlich Großes getan hat!

[HG 1.54.5] O laß uns wohl gedenken, daß nur Deine Liebe es war, die den Erzvater Adam dem Staube der Erde entsteigen hieß, und daß die große Hand Deiner Liebe ihn formte zu Deinem Ebenbilde und uns alle wunderbar so vollkommen, wie ihn aus Dir, aus ihm hervorgehen ließ. Oh, des will ich Dich loben, Dir danken und preisen mein Leben lang; nur möchtest Du gnädig aufnehmen dieses mein ohnmächtiges Geschrei, obschon es nicht würdig ist, sich zu nahen Deinem Herzen, das alle Deine Schöpfung nicht anzublicken wagt! O Herr, segne uns und die Labung; denn all unser Sein ist ein Segen aus Dir ewig! Amen.“

[HG 1.54.6] Und als nun der Henoch solches Gebet ausgesprochen, da verneigten sich alle Väter gegen Adam und verrichteten ihre Pflicht, deren schon früher erwähnt wurde. Adam aber segnete sie dafür und sagte: „Liebe Kinder, verharret ein wenig bei mir, bis ich, die Eva und der liebfromme Henoch uns werden mit der Gabe Gottes gestärkt haben! Dann werde ich euch alsobald meinen Willen und die Gesichte des Morgens deutend kundgeben; derzeit aber lasset euch nieder, und gedenket der Andacht Henochs! Amen.“
 
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