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Vaterunser

Lebensübungen > Gebet und Bitte
 
Matthäus Ev. Kap. 6: Vom Beten. Das Vaterunser

5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. 
6 Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich.
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen.
8 Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichstellen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet. 
9 Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt.
10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.
11 Unser täglich Brot gib uns heute. 
  12 Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel (Andere Übersetzung: "erlöse uns von dem Bösen".) Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

14 Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben, 
15 Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.
 
[HIM 1.410313.8] 
Was aber das „Vaterunser“ betrifft, so steht es mit diesem Gebete geradeso, wie mit der Frage, wie man dasselbe beten soll, daß es Frucht bringe. Denn wer dasselbe nicht betet im Geiste und in der Weisheit, dem nützt es geradesoviel, wie dem bekannten Blinden die Erklärung der Farben.

[PA 107] „Ich lernte das auf Erden schon im Vaterunser kennen, / 
da muß ja jeder doch zuerst Dich ,unser Vater‘ nennen! / 
Du warst wohl Gott von Ewigkeit voll Liebe und Erbarmen, / 
doch Vater bist geworden erst durch Jesum Du mir Armen! / 
Und das ist mehr, als wenn Du ewig Gott nur wärst geblieben / 
und hätt'st als solcher alle Kinder weit von Dir getrieben!“ – / 
Nun Pathiel, wo ist denn dein bezeugter Jesus? – Sage! / 
Wo ist er hingekommen? Gebe Antwort noch der Frage! / 
„O lieber Vater, was ist das für Frag'! – Ist ja Dein Name, / 
denn Du und Jesus ist – wie ich und Pathiel – ein Name!“ – – –

Das Vaterunser in mehrfacher Ausdeutung. – 13. Februar 1843

[HIM 2.430213.1] Das ist ein guter Gedanke, denn er ist von oben! Also will Ich denn auch ein rechtes Licht hinzufügen. Wenn aber der A. H.-W. Mir mehr zutrauete, so hätte er auch das rechte Licht samt dem Gedanken empfangen.
2] Also magst du ja schreiben und aus Mir geben, was zu nehmen aus Mir der A. H.-W. noch nicht den rechten Traumut besitzt. Und so schreibe denn:

1. Das Vaterunser bezogen auf „Liebe

3] „Unser Vater.“ – Da der Vater in Sich Selbst die alleinige, ewig unendliche Liebe ist, welche das Grundleben in sich und somit auch das Leben aller Geschöpfe und vorzugsweise der Menschen ist, so wird „unser Vater“ wohl ja auch so viel besagen als: unsere Liebe, oder: unser Leben!
4] „Der Du bist im Himmel!“ – Da aber der „Himmel“ an und für sich nichts anderes ist als das Leben des Vaters in Sich Selbst, welches ist die werktätige Liebe oder das lebendige Wort Gottes im Menschen, so wird „der Du bist im Himmel“ so viel heißen als: der Du, Ewige Liebe, wohnest in Deiner Liebe, aus der alles hervorgegangen ist!
5] „Geheiliget werde Dein Name!“ – Was solches besagt, das ist wohl überleicht zu erklären! – Welchen Namen hat denn die Ewige Liebe? – Den alleinigen, ewigen, der da heißet „Vater“. Wenn aber die Liebe und der Vater eins sind und „heiligen“ nichts anderes besagt als: mit der eigenen Liebe werktätig lieben den Vater, so wird „geheiliget werde Dein Name“ nichts anderes heißen als: geliebet werde Du, Vater, als die Ewige Liebe von uns Menschen, deinen Kindern, werktätig, d.h. lebendig, allzeit und ewig ohne Unterlaß!
6] „Dein Reich komme!“ – Was ist das Reich Gottes? – Es ist das, was da ist der „Himmel“! Da aber der „Himmel“ besagt das Wesenhafte der Liebe, weil das Werktätige, somit auch das eigentlich Lebendige der Liebe, welches sich in der Tätigkeit ausspricht, so wird ja „Dein Reich komme“ ebensoviel besagen als: Vater, oder: Du Ewige Liebe, komme zu uns, oder: werde unsere alleinige Tatkraft oder all unser Leben!
7] „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden!“ – Was diese fünfte Bitte betrifft, so ist sie ganz eigentlich nur eine Bekräftigung der vierten. Denn was ist der Wille der Liebe? – Er ist eigentlich die werktätige Liebe selbst. „Im Himmel“ heißt denn so viel als: in sich selbst wesenhaft, oder: in der eigenen, sich selbst gleichen Werktätigkeits-Sphäre. Demnach wird diese Bitte ja für den Geist auch also lauten können: Vater! oder: Liebe! Deine werktätige Liebe werde in unserem Leben (welches verstanden wird unter der „Erde“) oder in unserer Liebe ebenso wesenhaft werktätig, wie Du in Dir Selbst wesenhaft werktätig bist! Denn „in Dir Selbst“ besagt ebensoviel als: „im Himmel“ oder: in Deiner werktätigen Liebe, oder: in Deinem Leben, oder: in Dir als Vater – was alles schon aus dem Obigen zu ersehen ist.
8] „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ – Diese Bitte ist wieder nichts anderes als nur noch eine größere Bekräftigung der vorhergehenden. Denn unter „Brot“ wird verstanden das Zueigenmachen der werktätigen Liebe. Unter „täglich“ das völlige Zueigenmachen. – Sonach kann diese Bitte ja auch heißen: Gib uns, die wir aus Deiner Liebe sind, Deine werktätige Liebe völlig zu eigen, oder: mache unsere Liebe völlig zu der Deinigen, werde völlig unser Vater und mache uns völlig zu Deinen Kindern, oder: laß uns völlig eins sein mit Dir, d.h. sättige uns mit Dir Selbst und laß uns Deine Sättigung sein!
9] „Und vergib uns unsere Schulden!“ – Diese Bitte drückt nichts anderes aus als wieder ein lebendigeres Verlangen nach dem Obigen. Denn sie besagt, daß der Vater die eigene (Selbst-)Liebe des Menschen ganz hinwegräumen solle, die da vorderhand das sonderheitlich jedem Menschen zu eigen gegebene Leben ist – und solle dafür ganz Seine Liebe im Menschen werktätig werden lassen. – Also könnte der Geist auch sagen: Vater, nimm mir die Welt und schaffe in mir den Himmel!
10] „Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ – Dieser Satz bezeigt das werktätige Maß, in welchem die obige Bitte im Menschen erfüllt werden soll – und könnte geistig also heißen: Vater! Laß nur in dem Maße Deine werktätige Liebe uns zu eigen werden, in welchem Maße wir durch Deine Liebe in uns die Welt oder den Tod aus uns hinausschaffen! – oder: Vater! Wiedergebäre uns nach Deiner Liebe, wie diese Deine Liebe in uns mächtiger wird und wir mit ihr uns selbst geräumiger machen zur völligen Aufnahme Deines Reiches, des Himmels oder Deiner werktätigen Liebe oder Deines Lebens!
11] „Und führe uns nicht in Versuchung!“ – Auch diese Bitte ist an und für sich wieder nichts anderes als eine noch kräftigere Versicherung des Früheren. Denn das „Führe uns nicht in Versuchung“ besagt nichts anderes als: Belasse uns ja nicht in unserer Eigen- und Weltliebe, oder: laß uns nicht tätig sein ohne Deine werktätige Liebe in uns, oder: ohne den Himmel in uns! Also – halte unsere Liebe nicht außerhalb der alleinigen Deinigen!
12] „Sondern erlöse uns von allem Übel! Amen.“ – Und in der letzten Bitte ist nichts anderes als allein der Wunsch, der Wille oder das lebendige Verlangen völlig bejahend über alles das ausgesprochen, um was es sich in der früheren Bitte wie in allen vorhergehenden gehandelt hat, und besagt so viel als: Vater! Mache uns bestimmt völlig frei von uns selbst und werde Du in uns völlig alles in allem, oder: Du alleinige, ewige, werktätige Liebe, mache alle unsere (Eigen-)Liebe zunichte und werde Du allein unsere Liebe, oder: laß uns völlig eins sein mit Dir!

13] Das also ist der wahrhaftige himmlische Sinn des Gebetes des Herrn! – Solches möge wohl beachtet werden! Denn es ist eine gar köstliche Gabe der Liebe aus dem obersten Himmel! – Wohlverstanden?! Amen.
14] Dieser lichtvollen Erklärung des Vaterunsers in Bezug auf „Liebe“ folge nun:

2. Das Vaterunser, bezogen auf „Licht“ – 14. Februar 1843

15] Sage hier dem Ans. H.-W., dieser Gedanke ist nicht mehr so gut und so rein wie der erste. Denn es ist schon die Ordnungszahl vergriffen, da unter 2. nicht das „Licht“, sondern das „Leben“ zu stehen kommt. – So aber jemand dieses Gebet hat aus dem obersten Himmel, nämlich aus der alleinigen Liebe, so hat er es ja ohnehin schon im allerhöchst vollkommenen Maße. Wie mag er es denn dann auch noch in einem unvollkommeneren haben wollen!?
16] Da es aber schon heißt: „Um was immer ihr den Vater in Meinem Namen bitten werdet, das wird Er euch geben“ – so muß Ich euch gleichwohl ja auch geben, um was ihr bittet.
17] Und so schreibe denn dies Gebet im Lichte aus dem Lichte, aber schreibe es ohne weitere „Beleuchtung“; denn das Licht bedarf keiner „Beleuchtung“:

18] „Unser Licht alles Lichtes! Der Du wohnest in Deinem Lichte, als ein alleiniges Licht alles Lichtes, Dein ewiger Strahlenglanz werde von unserer Nacht und von unserem Tage, von unserer Feste zwischen den Gewässern als der alleinig wahre anerkannt!
19] O Du alleiniges Licht alles Lichtes, erleuchte unser an sich finsteres Erdsein!
20] Deines Strahles Macht wirke auf der Erde, in unserer Feste und in all unsern Gewässern also mächtig und ungeschwächt, wie Du in Dir Selbst ewig wirkest in der endlos vollsten Lichtesstärke!
21] Sättige, o ewiges Licht alles Lichtes, unser Erdreich, unsere Feste und all unser Gewässer mit Deinem allmächtigen Strahlenausflusse, auf daß dasselbe belebt werde mit samenreichem Grase, mit Kraut und Bäumen und das Gewässer mit aller Art Fischen und anderem edlem Getier und die Luft mit allerlei Gevögel!
22] O Licht alles Lichtes, mache zunichte alle Finsternisse und laß auf unsere Feste und über das trockene Land aufgehen Sonne, Mond und Sterne, auf daß wir gewahren die Zeichen des Tages und der Nacht und der Zeiten und der Jahre!
23] Mache also zunichte unserer Erde Nacht und große Finsternis, wie wir diese auf unserer Feste und über unsern Gewässern erkennen mit Hilfe des Lichtes, das Du schon am Anfange gesetzt hast auf unsere Feste, da Du sagtest: „Es werde Licht!“
24] O führe uns recht in der Nacht unserer Erde! Laß Deinen Strahl nicht schwächer werden über der Feste des Himmels in unserer Sonnenmitte und laß nicht fruchtlos werden unser Erdreich und nicht ohne Samen das Gras und das Kraut und die Bäume! Und trübe unser Gewässer nicht, auf daß nicht alle die Fische und all das edle Getier umkomme und die Luft nicht verderbe und töte all das Gevögel und ersticke all das Getier unserer Erde,
25] sondern, Licht alles Lichtes, mache uns Dir verwandt, auf daß wir leuchten möchten als Dein Licht und seien mit Dir ein Strahlenglanz und werden nicht wieder zu einer Nacht und Finsternis ohne Dich! Amen.“
26] Siehe, also lautet das Gebet im „Lichte“! – Wer es aber in der Liebe hat, der hat es im Grunde des Grundes, welcher in sich ewig derselbe bleibt, unverrückt, während das Licht ewig und endlos weite Wege tut, welche niemand je wird völlig zu überwandern imstande sein.
27] Daher haltet euch nur an die Liebe, dann habt ihr alles wie auf einem Punkte beisammen! – Verstehet solches wohl! Amen.

3. Das Vaterunser, bezogen auf „Leben“ – 15. Februar 1843

28] „Unser Leben alles Lebens, das da lebet ewig in Seinem Leben! Werde von uns Menschen gelebet in der Befolgung Deines Wortes und in aller Demut und Liebe zu Dir!
29] Dein Leben komme zu uns und in uns!
30] Dein Leben sei unser Leben, wie in Dir selbst, also auch in uns, auf daß wir möchten vollkommen sein, wie Du, Leben alles Lebens, in Deinem Leben vollkommen bist!
31] Dein Leben gib uns und sättige uns mit der Fülle Deines Lebens für und für!
32] Nimm uns aber zuvor unser Probeleben; also zwar, wie wir desselben ledig zu werden die große Sehnsucht in uns tragen, da es voll ist von aller Selbstsucht und somit voll des Todes.
33] Belaß uns ja nicht fürder in diesem unserem Probeleben, auf daß es uns nicht bringe den Tod,
34] sondern nimm, o Leben alles Lebens, dieses Probeleben von uns und erfülle uns  mit Deinem Leben! Amen.“
35] Solches alles ist zu ersehen aus den Texten: „Seid vollkommen, wie der Vater im Himmel vollkommen ist!“ (Matth.5,48) und: „Wer sein Leben liebt, wird es verlieren, wer aber dasselbe flieht, der wird es erhalten“. (Joh.12,25)
36] Also ist demnach dieses Gebet ein wahres Gebet des Lebens und werde als solches im Leben wohlbedachtet! Amen.

4. Das Vaterunser, bezogen auf „Kraft“ – 17. Februar 1843

37] Der Ausdruck „Kraft“ ist zu wenig besagend. Denn eine Kraft ist in allem vorhanden nach seiner Art. Das aus der Liebe und dem Leben hervorgehende aber ist nicht nur eine lebendige Kraft, sondern es ist eine produktive oder werkliche Tatkraft, welche ist der Zweck der Liebe und des Lebens aus ihr. Und so kann das Gebet nicht in der lediglichen Kraft, wohl aber in der werktätigen „Tatkraft“ gebetet werden und mag denn also lauten:

38] „O Du ewige Tatkraft der Liebe und alles Lebens, welche ist auch all unser Leben und all unsere Tatkraft, die Du wahrhaft und ewig tätig bist in und aus Deiner unendlichen Wirkungssphäre! Sei auch völlig allewig unsere Tatkraft nach unserer Liebe zu Dir und unserem Leben aus Dir und in Dir!
39] O belebe uns nach Deiner Fülle! Laß uns tatkräftig sein aus Dir in uns, wie Du in Dir es allezeit und ewig bist!
40] Erfülle uns und stärke unsere Schwachheit! Mache zunichte unsere Schwäche also, wie wir selbst unsere eigene Nichtigkeit und völlige Kraftlosigkeit in uns demütig erschauen!
41] O belaß uns ja nicht in unserer Schwachheit, in der wir wie Tote handeln, sondern erfülle uns alle mit Deiner allein wahrhaft lebendigen Tatkraft, damit wir dadurch tätig sein möchten, Dir wohlgefällig allzeit und ewig! Amen“
42] Solches kann entnommen werden aus den Texten: „Ohne Mich könnet ihr nichts tun“ (Joh.15,5). – „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh.15,5). – „Es ist nirgends eine Macht denn allein Gott“, und „du hättest keine Macht über Mich, so sie dir nicht von oben zugelassen wäre“ (Joh.19,11) und dergleichen Stellen mehr.
43] Daraus kann aber ja gar wohl ersehen werden, um was es sich in Meinem Gebete ganz besonders handelt. – Solches also verstehet ebenfalls sehr wohl, und das eben auch völlig tatkräftig! Sonst wird euch das heilige Gebet wenig Früchte und somit wenig des „täglichen Brotes“ bringen! – Also beachtet solches wohl allzeit lebendigst! Amen.

5. Das Vaterunser, bezogen auf „Ordnung“ – 18. Februar 1843

44] Sage dem A. H.-W.: Diese „Ordnung“ kommt hier sehr unordentlich zu stehen. Denn die Ordnung ist ja das Endresultat der Liebe, des Lebens und deren Folgen! – Ich will ihm aber das Gebet dennoch auch in dieser Deutung geben. Er aber möge es ordnen in sich! Und so schreibe denn:

45] „O Du ewige Ordnung, die Du bist in Dir ewig, ewig! Geordnet werde in uns unser Leben, welches Du uns gabst aus Dir, damit wir Dir, o ewige Ordnung, selbst geordnet, völlig nachahmlich getreu zu leben vermöchten!
46] Fließe daher als ein mächtiges Licht in uns ein! Sei uns hier der alleinige Lebensweg, wie Du es bist in Dir Selbst ewig!
47] Werde, o Du ewige Ordnung, als unser Leben völlig tatkräftig in uns! Werde das alleinige Brot zur Sättigung unseres Geistes!
48] Ersticke unsere große Unordnung in uns also, wie wir nach Deiner Erbarmung in uns diese Unordnung erkennen!
49] Laß uns ja nicht ins Dickicht gelangen und da in der Nacht den rechten Ausweg suchen! Laß nicht finster werden die Sonne, nehme dem Monde nicht den Schein und laß nicht vom Himmel fallen die Sterne, auf daß wir nimmer möchten den rechten Weg aus dem Dickicht finden,
50] sondern Du, ewige Ordnung, führe als eine hellste Sonne des Mittags und des Morgens uns aus dem Dickicht unserer eigenen Unordnung, welche ist das große „Übel“, in Deine heilige Ordnung! Amen.“
51] Solches kann entnommen werden aus dem Texte: „Wer Mein Wort hört und tut darnach, der ist es, der Mich liebt, zu dem werde Ich kommen und Mich ihm Selbst offenbaren. – Und es werden dann seinen Lenden Ströme des lebendigen Wassers entfluten“ (Joh.14,21; Joh.7,38).
52] Solches also besagt dies Gebet in der Ordnung, in welcher da ist die Vollendung des Menschen oder die völlige Wiedergeburt des Geistes. Und solches sei also wiederum gar besonders wohl beachtet! Amen.

6. Das Vaterunser, bezogen auf „Freiheit“ – 20. Februar 1843

53] Was die „Freiheit“ an und für sich betrifft, so ist sie ein guter Begriff. Nur ist dieser Begriff gleichbedeutend mit der Zusammenfassung des wahren Liebelebens im Vollbesitze der reinen und tiefen Weisheit, welche alles Leben erst wahrhaft frei macht, wie da der Sohn oder das Wort oder die Wahrheit wahrhaft frei macht den Menschen, der sie lebendig, das ist tätig, in sich aufgenommen hat. – Darnach ist Freiheit, Weisheit, Licht, Wahrheit, der „Sohn“ oder das ewige göttliche „Wort“ ganz eins und dasselbe.
54] Wer demnach im lebendigen Worte betet, der betet auch in der wahren lebendigen Freiheit. Und es ist demnach eine weitere Abfassung dieses Gebetes völlig unnötig, indem es gerade also, wie im Buche, ebenfalls im lebendigen Worte steht.
55] Damit es aber der A. H.-W. habe zu seiner Einsicht, so will Ich es ihm geben auch in dem Begriffe! Und so schreibe es denn:
56] „Unsere Freiheit, die Du wohnest in Deiner ewigen Freiheit! Werde von uns Menschen als solche in aller unserer Demut erkannt!
57] Komme ewig und lebendig leuchtend zu uns und in uns! Mache uns völlig frei, also wie Du es bist ewig in Dir Selbst!
58] Sei uns das lebendige tägliche Brot als eine wahre Sättigung des Geistes zum ewigen vollkommenen Leben in Dir!
59] Befreie uns von unserer Knechtschaft, welche da ist unsere Sünde, also wie wir selbst lebendig streben nach Deinem Worte und wie wir als Brüder uns gegenseitig frei machen durch Deine Gnade!
60] Laß uns nimmer in die Gefangenschaft der Lüge, der Nacht und alles Truges geraten, sondern befreie uns alle durch Dein lebendiges, heiliges Wort von allem Übel! Amen.“
61] Solches kann entnommen werden der ganzen Fülle des Wortes Gottes nach sonderheitlich aus dem Texte: „Die Wahrheit wird euch wahrhaft frei machen“ (Joh.8,32). – Denn solches besagt dieses Gebet in der wahren „Freiheit“.

7. Das Vaterunser, bezogen auf „Wahrheit“ – 21. Februar 1843

62] Da die „Wahrheit“ in sich die allereigentlichste Freiheit ist und daher auch alles völlig frei macht, so ist dieses Gebet in der „Wahrheit“ auch ganz vollkommen das, was es ist in der „Freiheit“. Denn wer da betet in der vollen Wahrheit, der betet auch in der vollen Freiheit. Und wer betet in der wahren Freiheit des Geistes, der betet auch in der vollsten Wahrheit und kann demnach sagen:
63] „Unsere ewige Wahrheit, die Du ewig frei wohnest in Dir Selbst! Werde von uns Menschen der Erde als solche in aller Liebe und Demut erkannt!
64] Komm ewig leuchtend zu uns und in uns! Mache uns wahrhaftig frei, also wie Du es bist in Dir Selbst!
65] Sei uns allen als das lebendige tägliche Brot zu einer wahren Sättigung des Geistes zum ewigen, vollkommen freien Leben in Dir Selbst!
66] Befreie uns von unserer Knechtschaft, welche da ist die Nacht und der Tod unserer Sünde, also wie wir lebendig streben nach Deinem Worte und wie wir als Brüder uns gegenseitig frei machen durch Deine Gnade in uns!
67] O laß uns nimmer in die grobe Gefangenschaft der Nacht, der Lüge und alles Truges gelangen, sondern mache uns alle wahrhaft frei durch Dein lebendiges, heiliges Wort allzeit und ewig! Amen.“
68] Wer dies Gebet also betet, der betet es im Geiste und in der Wahrheit, d.h. wenn er es zugleich aus und in der lebendigen Liebe betet – sonst aber ist es nur eine leere Lippenwetzerei, die vor Mir nicht den geringsten Wert hat. – Solches alles auch wohl verstanden! Amen.

"haute volée" statt "Beten wie das gemeine Volk"

[ER 60.13] Diese Tochter kennt zwar, trotz des katechetischen Hofmeisters, oft nicht einen Text aus der Schrift, auch das Vaterunser und die Zehn Gebote nicht; denn das Beten ist ja etwas Gemeines und gehört nicht in die eigentliche sogenannte haute volée. Da wird nur zuerst auf die Stellung, auf den Gang, auf die Haltung beim Gange, ob diese journalmäßig ist, dann auf ein hübsches Gesicht, auf einen stark bloßgegebenen Nacken, zarte, weiße, weiche und runde Hände und womöglich noch mehr auf einen ziemlich umfangreichen Fuß gesehen, und auch, ob so ein Mädchen in der edlen Koketterie bewandert ist, – und natürlich, daß ihr Anzug, wie man zu sagen pflegt, sehr gewählt ist. Unter solchen Umständen ist dann ein solch weibliches haute voléeisch-modernes Prachtexemplar fertig.


 
Ein Gebet sollte eine Einstimmung in den Willen Gottes sein, wie es speziell das Vaterunser darstellt. Passiert unsere innere Änderung, werden wir somit aufnahmefähig, damit uns Gott geben kann.

Nur durch die eigene Änderung können Dinge im Sinne des Gesamtwohls erbeten werden.
What Does Prayer Do?
What Does Prayer Do?
 
 
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