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Der verlorene Sohn

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Der verlorene Sohn. – 23. März 1841

Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und Ans. H.
[HIM 1.410323.1] Ihr habt in Meinem Buche die Geschichte des verlorenen Sohnes gelesen und werdet diese Geschichte nicht nur einmal, sondern schon öfter gelesen und gehört haben. Aber Ich sage euch, es gibt wohl in dem ganzen Buche keinen Vers und kein Kapitel, das da Größeres in sich fassen möchte, als das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
[HIM 1.410323.2] Auch wird es nicht leichtlich eine Stelle geben, die für euch schwerer zu verstehen sein möchte als eben diese. Und das zwar aus der Ursache, die ihr wissen sollet, da sie von größter Wichtigkeit und als solche ein unerläßlicher Schlüssel zur inneren Beschauung ist.
[HIM 1.410323.3] Es ist aber diese Ursache folgende: Oft rede Ich aus Meiner Weisheit durch die Liebe erhabene Dinge; oft aber aus der Liebe durch das Licht der Weisheit kleinlich Scheinendes. – Nun merket, im ersten Falle wird euch nur so viel geboten, als es eurer jeweiligen Individualität zu ertragen möglich ist. Im zweiten Falle aber wird euch eine verhüllte Unendlichkeit gegeben, mit deren endlicher Entwicklung Ewigkeiten nicht fertig werden.
[HIM 1.410323.4] Und sehet, eine eben solche kleinlich scheinende Gabe ist auch „der verlorene Sohn“. Ja, Ich sage, wüßtet ihr, was alles hinter dem „verlorenen Sohne“ steckt, wahrlich, es würden Erzengel zu euch in die Schule kommen!
[HIM 1.410323.5] Ich habe euch in den vorhergehenden Stunden so manches gezeigt, wie es in der gegenwärtigen Zeit auf der Erde zugeht, wobei Ich euch freilich noch die allergrößten Schändlichkeiten verschwiegen habe. Ich habe euch gezeigt das Mangelhafte der Rechtsordnung im allgemeinen; Ich habe euch gezeigt die Tollheit Asiens, wie die Barbarei Afrikas; Ich habe euch gezeigt die Schändlichkeiten Amerikas, freilich nur einen sehr geringen Teil davon; Ich zeigte euch die Rechtspflege Englands, vorzugsweise in seinen äußeren Verhältnissen, wie auch die Behandlung der Verbrecher auf den euch bekanntgegebenen Küsten Australiens. So habe Ich euch auch im tiefen Süden gezeigt ein mißhandeltes Land, wie es war und wie es größtenteils noch jetzt ist. Jedoch eben bei diesem Lande muß Ich euch auf etwas aufmerksam machen, und zwar zuerst vorzüglich auf das, daß ihr auf dieses eben von diesem Lande Ausgesagte eine doppelte Aufmerksamkeit richten, und fürs zweite, daß ihr eben das von diesem Lande Ausgesagte am allerwenigsten buchstäblich nehmen sollet – warum, wird euch die Folge zeigen. Ferner habe Ich euch noch gezeigt die höchst tyrannisch strengen Verhältnisse anderer Inselstaaten und vorzugsweise des Japanischen und so noch einiges in Kürze über den nördlichen Staat Rußland.
[HIM 1.410323.6] Obschon zwar sich die Sachen in der Welt so verhalten, so sind aber dessenungeachtet diese Verhältnisse von Mir euch nicht deswegen kundgegeben worden, damit ihr daraus ersehen sollet, wie es allenfalls in der Welt zugeht. Denn solches und noch tausendmal Ärgeres werdet ihr ohnehin künftig nur zu oft zu lesen bekommen; sondern die Ursache, warum Ich euch solches kundgegeben habe, ist keine andere als diese, daß ihr daraus das große Geheimnis des „verlorenen Sohnes“ ein wenig zu eurem größten Nutzen tiefer erkennen möchtet.
[HIM 1.410323.7] Ihr denket euch jetzt freilich: „Was hat denn der „verlorene Sohn“ mit all diesen Weltgrausamkeiten zu tun?“ – und seid voll Neugierde, wie sich aus all diesem Weltlabyrinthe der „verlorene Sohn“ zurechtfinden wird. Aber Ich sage euch: Es ist denn doch noch leichter aus allen diesen Szenen den „verlorenen Sohn“ herauszufinden und selben darin zu begreifen, als der Durchgang eines Kamels durch ein Nadelöhr.
[HIM 1.410323.8] Um das Ganze zu verstehen, ist es nötig, daß ihr vor allem erfahret, wer eigentlich dieser „verlorene Sohn“ ist. So Ich euch den „verlorenen Sohn“ zeigen werde, auch nur dem Namen nach, wahrlich, ihr müßtet mit mehr denn siebenfacher Blindheit geschlagen sein, so ihr nicht im Augenblicke merken würdet, daß euch eine große Decke von den Augen genommen wurde. Und nun bereitet euch vor und vernehmet den Namen!
[HIM 1.410323.9] Sehet, er heißet „Luzifer“! – In diesem Namen steckt das ganze, für euch ewig unerfaßliche und endlose Kompendium des verlorenen Sohnes.
[HIM 1.410323.10] Nun denket euch, daß beinahe die gesamte gegenwärtige Menschheit nichts als Glieder dieses einen „verlorenen Sohnes“ sind, und zwar namentlich diejenigen Menschen, welche aus Adams ungesegneter Linie abstammen. Sehet, dieser „verlorene Sohn“ hat alles Vermögen, das ihm gebührte, herausgenommen und vergeudet dasselbe nun durch für eure Begriffe endlos weit gedehnte Zeiträume.
[HIM 1.410323.11] Ihr wisset aus der Geschichte des verlorenen Sohnes, wie es mit seinem Endschicksale ging. Nun sehet all diese Verhältnisse der Welt durch; und wahrlich, ihr werdet nichts anderes erblicken als die Endschicksale des verlorenen Sohnes im ausgedehnten Maßstabe ...
[HIM 1.410323.12] Was sagt ihr aber zu einem sehr kranken Menschen, wenn seine Füße kalt geworden sind und auf seinem Haupte kalte Schweißtropfen sitzen? Wahrlich, es bedarf dazu keines medizinischen Rigorosums, um gewisserart in prophetischem Geiste aussprechen zu können: nur einige wenige schwere Pulsschläge noch, und der Qual- und Lebensmüde hat ausgerungen!
[HIM 1.410323.13] Fürs erste befühlet die Füße des „verlorenen Sohnes“ im Süden der Erde. Fürs zweite befühlet sein Haupt in des Nordens großem Reiche. Dann leget die Hand auf das alte, müde Kirchenherz, wahrlich, ihr müßtet schon wieder blinder sein als der Mittelpunkt der Erde, so ihr nicht an den Fingern ausrechnen möchtet, um die wievielte Stunde des großen Tages es nun sei? ...
[HIM 1.410323.14] Aber sehet, jetzt geschieht mit der Seele des „verlorenen Sohnes“, was Ich euch kundgegeben habe von den Seelen, denen das „Zweite Gesicht“ wird! Sehet, ihre große Not breitet sich jetzt in schnellen Schwingungen aus, und diese gelangen hin vor das große Vaterhaus. Und die Schwingungen des liebeerfüllten Vaters liebwechseln mit den Angst-, Elend- und Notschwingungen des „verlorenen Sohnes“.
[HIM 1.410323.15] Die Seele des „verlorenen Sohnes“ empfindet ein solch heiliges, sanftes Wehen vom Hause des großen Vaters. Sie kehret aus diesen heiligen Schwingungen mutbeseligt wieder in ihr morsches Haus zurück, erhebt dasselbe wieder und kehret in der größten, sich selbst vernichtenden Demut in das ewige Vaterhaus zurück.
[HIM 1.410323.16] Was geschieht aber dort? – Sehet, die Lumpen nur werden dem Sohne ausgezogen und verbrannt; allein der Sohn wird, wie ihr wisset, wieder aufgenommen werden.
[HIM 1.410323.17] Sehet, nun habt ihr das ganze, bis auf diesen gegenwärtigen Augenblick unenthüllte Geheimnis der prophetischen Zahl des Menschen vor euren Augen enthüllt. Wenn ihr nur einigermaßen die Verhältnisse der Zeit durchgehet, wahrlich, ihr müßtet mehr denn tot sein, wenn ihr jetzt noch nicht gewahren solltet die heiligen Gnadenschwingungen, die da nun ausgehen in Strömen von dem heiligen Vaterhause!
[HIM 1.410323.18] Auch ihr seid Glieder des verlorenen Sohnes! Dehnet eure Seele weit aus und lasset erwecken den Geist in eurer Seele! Und kehret in aller Demut gleich dem „verlorenen Sohne“ getrost in das große Gebiet eures liebevollsten Vaters! Wahrlich, Ich sage euch: Er wird euch auf dem halben Wege entgegenkommen!
[HIM 1.410323.19] Sehet, die Zeit Meiner Gnade ist nahe herbeigekommen, und darum habe Ich euch auch solches gegeben, daß ihr erkennen sollet, daß jene große Zeit da ist, von der die Propheten gesungen haben, ja jene Zeit, die aus Meinem Munde selbst vorausverkündet wurde.
[HIM 1.410323.20] Darum verharret nur noch eine kurze Zeit und freuet euch in großer Zuversicht! Denn wahrlich, das große Vaterhaus ist euch näher gekommen als ihr es ahnet!
[HIM 1.410323.21] Wie ihr aber den „verlorenen Sohn“ und alle diese Zeitverhältnisse in euch erkennen möget, und wie dieser „verlorene Sohn“ in einem jeden Menschen wiedergefunden wird oder wie er vielmehr sich selbst wiederfindet, wie der „große Mensch“ im Kleinen gewonnen wird, liebe Kinder, davon wird euch die letzte Stunde getreue Kunde bringen. Amen!
 
Der große Schöpfungsmensch und seine Rückkehr. – 25. März 1841

Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und Ans. H.
[HIM 1.410325a.1] Nachdem wir in der elften Stunde den „verlorenen Sohn“ von seinem Aufgange bis zu seinem Niedergange begleitet und beleuchtet haben und haben auch die Zeit berechnet und die Stunde nahe bestimmt, die da zeugen soll von seinem Untergange – so wollen wir in dieser zwölften Stunde sehen, wo und wie dieser „verlorene Sohn“, durch und durch gedemütigt, wieder zurückkehren wird in das große Vaterhaus.
[HIM 1.410325a.2] Um aber dieses völlig zu verstehen, ist es nicht hinreichend, daß wir nur das Weltstäublein, Erde genannt, ein wenig durchschauet haben; sondern es ist nötig, da Ich zu diesem Zwecke in der euch bewußten Camera obscura des Geistes eine schon erwähnte kleine Vorrichtung hinzugegeben habe, noch einmal in dieser neu eingerichteten Kammer einen etwas weiter gedehnten Blick zu tun! – Ich sage euch aber zum voraus: Machet euch gefaßt! Denn dieser Anblick wird euch etwas vor eure Augen führen, das bis auf diese Zeit noch in keines Menschen Sinn gekommen ist.
[HIM 1.410325a.3] Vermöge dieser neuen Vorrichtung wird die Tafel zur Aufnahme eines so großen Bildes auch wohl natürlicherweise selbst etwas vergrößert werden müssen und statt der früheren wagrechten Lage eine senkrechte annehmen. Nun sehet, unsere Vorrichtung ist getroffen! So richtet denn eure Blicke hin auf die weitgedehnte Tafel, und sogleich werdet ihr das große Bild auf derselben erblicken. Denn nur auf diese einzig und alleinige Art ist es möglich, die endlos ausgedehnte Schöpfung unter einem Bilde euch vor die Augen zu stellen.
[HIM 1.410325a.4] Nun sehet nur genau hin auf die Tafel, und sobald Ich das Wort „Epheta“ aussprechen werde, da werdet ihr das großartige Bild auf der Tafel erschauen. Und nun denn, da eure Blicke dahin gerichtet sind, sage Ich: Epheta!
[HIM 1.410325a.5] Nun, was saget ihr zu dem Bilde? – Nicht wahr, ihr erblicket auf dieser Tafel nichts mehr und nichts weniger als die deutliche Gestalt eines Menschen, dessen Lenden nur kaum von einigen Lumpen bedeckt sind und dessen Haare, zottigen Aussehens, ihm bis über den halben Leib vom Kopfe herabhängen.
[HIM 1.410325a.6] Nicht wahr, ihr werdet euch wohl denken: „An diesem Bilde ist gerade nichts Besonderes zu sehen, außer daß es auf dieser Tafel in einer sehr kolossalen Form dargestellt ist. Übrigens aber hätte ein solches Bild auch ein jeder nur einigermaßen bewanderte Figurenzeichner mit einer weißlichen Farbe auf eine schwarze Tafel entwerfen können!“ – Und Ich kann euch nichts anderes dazu sagen, als daß euer Schluß vorderhand seine Richtigkeit hat. Und so ihr noch etwas tiefer denken wollet, so möchtet ihr auch wohl bald in dieser weißlichen Figur die Gestalt des „verlorenen Sohnes“ erblicken.
[HIM 1.410325a.7] Aber sehet, Meine lieben Kinder! Die Tafel ist ein wenig zu weit weg gestellt für eure Augen, daher gehen wir vollends an die Tafel hin! Denn die ganze Gestalt habt ihr jetzt schon gesehen. Daher wollen wir die Farbe, mittelst welcher diese Figur an die Tafel aufgetragen ist, ein wenig näher untersuchend beschauen.
[HIM 1.410325a.8] Nun, jetzt sind wir an der Tafel! – Seht, diese klafterbreite, schimmernde Fläche ist ein Teil des Fußes dieser ganzen Gestalt. Sehet nur recht nahe hin und saget Mir, was ihr darauf entdecket! – Seht nur recht genau! – Nicht wahr, ihr entdecket nichts als lauter nahe aneinandergereihte, kleine, schimmernde Kügelchen! – Ihr wisset ja, daß dieses Bild kein gemaltes ist, sondern nur ein Lichtbild eines äußeren Gegenstandes.
[HIM 1.410325a.9] Was meint ihr wohl, was diese Kügelchen in der Wirklichkeit sind? – Sehet, Ich will euch nicht lange herumraten lassen! Aber wenn ihr meinet, daß diese Kügelchen etwa Abbilder sind von entfernten Sonnen, Planeten, Monden und Kometen, höret, da müßte Ich euch wohl sagen: Kinderchen! Urteilet nicht zu vorschnell, sonst möchtet ihr euch gar gewaltig irren! Jedoch bevor Ich euch das Wesen dieser kleinwinzigen Kügelchen enthülle, bemühet euch, auf einem linsengroßen Flecke diese Kügelchen zu zählen!
[HIM 1.410325a.10] Nun, seid ihr schon fertig? – Ja, ja, Ich sehe schon, ihr werdet damit nicht leichtlich fertig. Denn es ist eine für euch kaum aussprechbare Zahl solcher Schimmerpünktchen auf dieser linsengroßen Fläche vorhanden, und es möchten ihrer wohl mehr als eine Trillion sein. Und da ihr euch so ein wenig vertraut gemacht habet mit der „Farbe“, so sage ich euch, wovon ein solches Pünktchen eigentlich ein Abbild ist. Wie schon gesagt, nicht etwa von einer Sonne oder von einem anderartigen Weltkörper, sondern: ein jedes solches Pünktchen oder, wie es sich euren geistigen Augen darstellt, Kügelchen, ist nichts mehr und nichts weniger als das Abbild einer Hülsenglobe. – Was es aber mit der „Hülsenglobe“ für eine Bewandtnis hat, brauche Ich euch nicht mehr zu erklären.
[HIM 1.410325a.11] Nun treten wir wieder ein wenig zurück und schauen uns wieder die ganze Figur an! – Sehet, wie es ist eine vollendete Menschengestalt! – Und da ihr nun diese Figur hinreichend beschauet habt, so sage Ich euch. Diese Figur stellet aus und nach Meiner ewigen Ordnung das Universum dar und ist in seiner Art von niemandem außer Mir in der Wirklichkeit also erschaulich. Auch hat dieses Bild, wie ihr es jetzt erschauet habt, noch nie ein geschaffener Geist gesehen.
[HIM 1.410325a.12] Aber Ich sehe schon wieder, was in euch steckt. Ihr möchtet wohl gerne eure Erde in diesem Menschen erblicken. – Solches euch zu zeigen, kann wohl nicht sein, solange die ganze Figur auf der Tafel pranget. Aber wartet ein wenig! Denn sehet, Ich bin ein sehr guter Optiker! Daher will Ich in unserer Camera erst eine kleine optische Veränderung vornehmen, nach welcher von dieser ganzen Figur nichts als nur ein einziges, leuchtendes Pünktchen zurückbleiben wird.
[HIM 1.410325a.13] Nun sehet, die Figur ist verschwunden; es ist bereits alles in der Ordnung! Treten wir jetzt nur wieder der Tafel näher und suchen unser Pünktchen auf! – Nun, habt ihr es schon gefunden? – Eines allein gibt freilich nicht viel Licht; aber strenget eure Sehe nur an, ihr werdet es schon finden.
[HIM 1.410325a.14] Ihr müsset nicht hinaufschauen auf die hohe, weitgedehnte Tafel, sondern da ganz zuunterst sehet hin, da ihr früher den linken Fuß der ganzen Figur gesehen habt, und da zwar am äußersten Ballen der kleinen Zehe! – Dieses Kügelchen ist diejenige Hülsenglobe, innerhalb welcher sich auch eure Erde befindet.
[HIM 1.410325a.15] Damit wir aber zu unserer Erde gelangen können, werde Ich denn schon auch wieder mit Meinem „Epheta!“ über das Schimmerpünktchen kommen müssen. – Und so spreche Ich denn „Epheta!“ – Nun sehet, wie dieses Kügelchen auseinandergegangen ist und nun beinahe die ganze große, runde Gestalt der Tafel einnimmt.
[HIM 1.410325a.16] Sehet die zahllosen leuchtenden Pünktchen nun wieder durcheinander schimmern! Suchet nun euch eure Erde heraus! – Nicht wahr, ihr möget sie nicht finden aus der großen Anzahl dieser Schimmerpünktchen heraus! – Ja, Ich sage euch, ihr würdet euch auch vergebliche Mühe machen! Denn diese Pünktchen, die ihr da sehet, sind schon wieder keine Sonnen, sondern sind ganze Sonnenwelten-Gebiete.
[HIM 1.410325a.17] Daher werde Ich nun wieder ein Pünktchen, und zwar das rechte, heraussuchen und alles übrige auslösen von der großen Tafel! Nun, da ist das erwählte Pünktchen! Und damit wir schneller zum Ziele gelangen, sage Ich alsogleich wieder Mein „Epheta!“
[HIM 1.410325a.18] Nun sehet, unsere Tafel ist schon wieder voll neuer leuchtender Pünktchen. Allein diese leuchtenden Pünktchen sind auch wieder keine Sonnen, sondern sind lauter Sonnenwelten-Alle! Daher wird es mit der Auffindung der Erde sich auch hier nicht tun.
[HIM 1.410325a.19] Und so will Ich aus diesen Pünktchen auch wieder das rechte erwählen und alles übrige von der Tafel löschen! – Nun, da ist das Pünktchen! – Sehet, wie es einsam, matt schimmert auf der großen Fläche! – Aber nun Mein „Epheta“ – Und das Pünktchen soll gleich eine größere Ausdehnung bekommen! Darum: „Epheta!“
[HIM 1.410325a.20] Nun sehet, unsere Tafel ist denn schon wieder voll von lauter glänzenden Pünktchen! – Möchtet ihr euch da nicht die Erde heraussuchen aus all diesen trillionenmal trillionen Pünktchen? – Allein Ich muß euch auch hier schon wieder sagen: Gebet euch keine Mühe! Denn auch diese Pünktchen sind noch keine Sonnen, sondern einzelne Sonnengebiete und sind das, was ihr unter einem sogenannten Sternen-Nebel begreifet.
[HIM 1.410325a.21] Allein damit wir schneller zum Ziele gelangen, will Ich auch da das rechte Pünktchen erwählen und alles übrige von der Tafel löschen und zugleich das „Epheta!“ hinzufügen.
[HIM 1.410325a.22] Nun sehet hin auf die Tafel! – Nicht wahr, ihr sehet eine Schimmergrießwolke, die sich horizontal über die ganze Tafel verbreitet und siebenmal so lang als breit ist. Nun sehet, da hübsch gegen die Mitte wollen wir uns wieder ein solches Schimmergrießpünktchen wählen und alles übrige wieder auslöschen von der Tafel. – Nun, es ist schon alles wieder geschehen, wie ihr sehet, und Mein „Epheta!“ gebe diesem Pünktchen wieder seine rechte Gestaltung!
[HIM 1.410325a.23] Nun sehet recht genau hin! Jetzt werdet ihr euch wohl schon auskennen. – Sehet, da in der Mitte ein leuchtendes, linsengroßes Scheibchen! – Es ist das Bild eurer Sonne! – Und seht nun genauer hin! Der dritte, matt schimmernde Punkt von der Sonne auf der linken Seite etwas abwärts ist eure Erde!
[HIM 1.410325a.24] Ich brauche euch nun dieses Bild nur ein wenig zu vergrößern, und ihr werdet eure Erde sogleich erkennen! – Und so tue du Erdenpunkt dich auf, auf daß Meine Beschauer erkennen mögen! – Und sehet, wie nun dieser Punkt sich allmählich ausdehnt! Und nun hat er denjenigen Durchmesser erreicht, der da hinreichend genügt, euer naturmäßiges, schmutziges Wohnhaus zu erkennen.
[HIM 1.410325a.25] Da wir nun jetzt alles gesehen haben, so kehren wir wieder zu unserem „verlorenen Sohne“ zurück! – Sehet hin auf die Tafel! Schon wieder prangt unsere erste Figur auf derselben. Aber sehet, jetzt wird diese Gestalt kleiner und kleiner! Und sehet, jetzt hat sie nur kaum noch die Größe eines Kindes! Und sehet abermals hin, nun ist auch dieses Kind zu einem Punkte zusammengeschmolzen! – Aber sehet, auf der rechten Seite der Tafel fängt ein anderes großes Menschenbild an aufzutreten! – Nun ist es in der Mitte der Tafel! – Und unter seinem linken Fuße entdecket ihr noch das soeben eingegangene Pünktchen, welches da nun ist im rechten Verhältnisse seiner Größe zur Größe dieses neuen Bildes.
[HIM 1.410325a.26] Was meinet ihr wohl, was dieses neue Bild vorstellt? – Ihr, die ihr mehr oder weniger den großen (Schöpfungs-)Menschen in den Schriften Swedenborgs habt kennengelernt, werdet euch vielleicht denken, das sei dieser größte Mensch. Ich aber sage euch: Weit fehl geschossen! Dieser Mensch, den ihr da sehet, ist nichts mehr und nichts weniger als der sich selbst wieder gefundene „verlorene Sohn“, der sich in jedem einzelnen wiedergeborenen Menschen wiedergefunden hat! Oder mit anderen, euch leichter verständlichen Worten gesagt: Das ist ein Allergeringster in Meinem neuen Reiche! Und es ist hier in diesem Bilde euch ein gerechtes Verhältnis dargestellt und euch das vollkommene Maß eines Menschen gezeigt, welches unendlichmal erhabener ist denn das ganze, euch durch die frühere Zergliederung gezeigte endlos scheinende Universum in der Gestalt des „verlorenen Sohnes“!
[HIM 1.410325a.27] Wenn ihr nun dieses Bild ein wenig beherziget, so dürftet ihr auch schon ein wenig zu begreifen anfangen, was es mit der „Rückkehr des verlorenen Sohnes“ für eine Bewandtnis hat.
[HIM 1.410325a.28] Ihr müsset euch nicht etwa denken, dieser euch in der „elften Stunde“ bekanntgegebene gefallene Luzifer wird als Ganzer wieder zurückkehren. – Wenn solches möglich gewesen wäre, wahrlich, es hätte nie eine materielle Schöpfung stattgefunden; sondern:
[HIM 1.410325a.29] In einem jeden einzelnen Menschen, der nach Meinen Worten lebt und wiedergeboren wird durch das Wort und durch die Erlösung, wird dieser Verlorene wiedergefunden und zurückkehren in das große Vaterhaus!
[HIM 1.410325a.30] Ich sage euch nicht umsonst: in das große Vaterhaus. Denn für so groß gewordene Menschen muß auch ein gar großes Haus bereitet sein, allda sie werden Wohnung nehmen können wieder bei ihrem Vater.
[HIM 1.410325a.31] Daß es aber also ist, könnet ihr aus all dem Vorhergegangenen ja klar und deutlich abnehmen. Denn leidet nicht bei den allgemeinen Drangsalen ein jeder Mensch in sich selbst und wird nicht jeder geschlagen für seine eigene Person? – Es gelten aber alle diese Schläge einem und demselben „verlorenen Sohne“.
[HIM 1.410325a.32] So aber ein Mensch geschlagen wird, ist es nicht also, daß nur er als der Geschlagene den Schmerz empfindet, während der Ungeschlagene oft genug nur zu schmerzlos zusieht? Oder so da mißhandelt wird eine ganze Nation in einem andern Weltteile, saget, ob ihr je einen Peitschenhieb auf eurer Haut wahrgenommen habt? So aber jemand stirbt, stirbt er für sich oder für andere? Oder könnet ihr behaupten, daß je jemand für einen anderen zur Welt geboren worden ist? Oder gilt Meine Erlösung und Mein Wort nicht ebensogut einem jeden Menschen einzeln für sich wie für ganze Völker? Und kann nicht jeder Mensch für sich Mich mit seiner Liebe und dem lebendigen Glauben daraus völlig aufnehmen, daß Ich in ihm und er in Mir wohne?
[HIM 1.410325a.33] Wenn ihr nun alles dieses betrachtet, könnet ihr nach dem allem nur die entfernteste Behauptung aufstellen, Ich sei in einem Menschen weniger denn in allen zusammen?
[HIM 1.410325a.34] So aber Ich mit einem Menschen eins geworden bin und er mit Mir, saget, was gehet da noch ab von der Wiederfindung des „verlorenen Sohnes“ in einem einzelnen Menschen?
[HIM 1.410325a.35] Hat der nicht alles empfangen und in sich aufgenommen, der Mich aufgenommen hat? – Wahrlich, ein jeder Mensch, der mit Mir eins geworden ist, ist mehr, ja Ich sage, unendlich mehr, als der große Luzifer je war in seiner euch auf natürlichem Wege unbegreiflichen Größe!
[HIM 1.410325a.36] Sehet, unter diesem „verlorenen Sohne“, der da Luzifer heißt, wird demnach auch jeder einzelne Mensch für sich verstanden. Und so ein ganzes Volk mit Mir eins geworden ist, wird dieses ganze Volk ebenfalls nur ein Mensch mit Mir. Und alle Menschen, die je auf der Erde gelebt haben und noch leben werden, wenn sie eins geworden sind mit Mir, so werden auch sie nur sein ein Mensch in Mir. Das heißt, sie alle wird beseelen und beleben ein und derselbe Heilige Geist aller Liebe, aller Wahrheit und aller Macht und Kraft. Und es werden nicht sein viele mehr denn einer, und einer weniger denn viele. – sondern alle werden sein vollkommen eins in Mir. Und es werden nicht haben viele mehr Macht und Kraft denn einer, und einer nicht weniger denn viele – sondern alle werden leben wie einer aus derselben Kraft und Macht des Heiligen Geistes aller Liebe und aller Wahrheit aus Mir!
 
Die „Lumpen“ des verlorenen Sohnes. – 25. März 1841 (Fortsetzung)

[HIM 1.410325b.1] Ihr habt gehört, daß die Lumpen des „verlorenen Sohnes“ von den Winden zerstreuet wurden wie Spreu und die übriggebliebenen aber wurden ihm ausgezogen und verbrannt. – Wisset ihr, was unter diesen „Lumpen“ zu verstehen ist?
[HIM 1.410325b.2] Es ist darunter nichts anderes zu verstehen, als der eingegangene, frühere Universalmensch auf unserer Tafel. Denn durch die Gewinnung eines jeden einzelnen Menschen ist das Edle, von Mir Ausgehende, oder „Mein verlorener Sohn“ wiedergewonnen. Die „Lumpen“ oder das eigentliche Erzböse aber wird verworfen werden in das Feuer, daraus es eigentlich hervorgegangen ist. Es ist aber dieses Feuer dasjenige in der Gottheit, aus welchem alle Dinge ihr materielles Dasein haben.
[HIM 1.410325b.3] Wer somit sich an die Welt hängt und klebet an der Materie, der klebet an den „Lumpen“ des verlorenen Sohnes! – Wie aber alle Materie euch ihre große Feuerverwandtschaft zeigt, so gilt dasselbe auch von den Lumpen an den Lenden des verlorenen Sohnes.
[HIM 1.410325b.4] So aber wird es geschehen: Damit Gott wieder werde ein freier Gott, in dem keine Materie mehr wallet, so wird das Feuer- oder Zornverwandte wieder dahin zurückkehren müssen, woher es als das, was es ist, gekommen ist. Und es wird gerade also geschehen, wie wenn ihr an eurem Leibe habt irgendeine Verhärtung und leget da heiße Umschläge auf, damit sie wieder erweichet werde – also auch wird Mein ewiges Feuer diese erzböse Verhärtung in ihrer Allheit erfassen, um sie dadurch wieder seinem eigenen Wesen selbst zu assimilieren.
[HIM 1.410325b.5] Es ist noch eine Frage in euch vorhanden, ob diejenigen Wesen, die unter den „Lumpen“ verstanden werden, auch ein fortwährendes Selbstbewußtsein haben werden oder nicht? – Ich aber sage euch: Diese Frage beantwortet sich schon beinahe von selbst, da ihr doch unmöglich annehmen könnt, daß es in der Gottheit irgendeinen seiner selbst unbewußten Punkt geben sollte.
[HIM 1.410325b.6] Aber ob dieses Seiner-selbst-Bewußtsein ein leidendes ist oder nicht – sehet, das ist eine andere Frage! Um aber diese richtig zu verstehen, müßt ihr zuvor begreifen, daß jedes Bestreben, sich selbst zu finden, ein gewisses Leiden in sich selbst notwendig begreifen muß. Nur kommt es darauf an, ob dieses Leiden ein schmerzliches oder ein wohltuendes ist.
[HIM 1.410325b.7] Wenn dieses Leiden darin besteht, daß sich das Wesen in sich selbst immerwährend ergreift und durch dieses Ergreifen sich zur Einheit immerwährend zu bilden bemüht ist, dann ist ein solches Leiden ein höchst wohltuendes und die Empfindung aus dem klarsten Selbstbewußtsein eine höchst beseligende.
[HIM 1.410325b.8] Wenn aber das Leiden oder die selbstbewußte Empfindung eines Wesens in sich ein zerreißendes und zerstörendes ist, dann ist es auch ein höchst schmerzliches. Das könnt ihr ja auch aus der Natur sehr leicht abnehmen, wenn ihr nur je irgendeine entzündliche Krankheit beobachtet habt, welche in nichts anderem besteht, als daß sich gewisse Teile im Körper mehr und mehr auszudehnen anfangen. Je heftiger ein solcher Akt vor sich geht, desto schmerzlicher wird er. – Aus allem diesem geht hervor, daß der sich selbst bewußte, wesenhafte Zustand des feuerverwandten Erzbösen eben auch ein höchst leidend-schmerzlicher sein muß.
[HIM 1.410325b.9] Ihr werdet nun vielleicht meinen, daß die Gottheit dadurch gewisserart in Ihrem Zornteile Selbst immerwährend höchst schmerzlich leidend sein müsse. Allein es ist dem nicht also! Sondern es ist geradeso, als wenn Speisen in eurem Magen verkocht werden; da bersten auch die Hülschen der zu sich genommenen Nahrung, getrieben durch das Feuer des Magens. Aber fraget euch selbst, ob im natürlichen Zustande dieser schauerliche Zerstörungsprozeß im Feuer eures Magens euch je geschmerzt hat?
[HIM 1.410325b.10] Jedoch, da Ich euch schon so weit geführt habe, so will Ich euch bei dieser Gelegenheit einen bisher noch nie ausgesprochenen Wink geben! Wollet ihr die Endursache solchen Zustandes aller weltlich-materiellen Erzbosheit erschauen, so blicket in euren Magen, und sehet alldort zu, was da mit der in sich genommenen Speise geschieht, wie und warum – so werdet ihr eine große Strecke Meiner Wege erschauen, was da geschehen wird. Jedoch die Zeit steht nicht geschrieben in eurem Magen, und es genügt euch, daß Ich euch gezeigt habe den Zweck.
[HIM 1.410325b.11] Nun sehet, liebe Kinder! Das ist alles, was euch gegeben werden kann, und das ist auch alles, was ihr zu ertragen vermöget. Mehr brauchet ihr nicht zu wissen, sondern beachtet dieses von Punkt zu Punkt, und das zwar von der euch gegebenen ersten bis zur letzten Stunde! Durchwandert auf diesem Wege die ganze Erde in euch und findet auf diese Art in euch selbst – den „verlorenen Sohn“!
[HIM 1.410325b.12] Tuet dasselbe, was dieser getan hat und noch immer tut in jedem einzelnen Sünder, der nach Meinem Reiche trachtet. Lasset in der inneren Kammer eures Geistes auf der Tafel eurer Weltbegierden mit der Welt das geschehen, was ihr zuletzt auf der euch gezeigten Tafel mit dem Universalmenschen sahet – so wird in einem jeden von euch der „verlorene Sohn“ wiedergefunden werden und wird sein Verhältnis werden, wie Ich es euch gezeigt habe, da ein anderer Mensch an die Stelle des früheren, auf einen Punkt zusammengeflossenen getreten ist.
[HIM 1.410325b.13] Dann erst werdet ihr als Wiedergefundene die große Wahrheit des euch in diesen „zwölf Stunden“ Gegebenen in euch selbst im hellsten Lichte erschauen und erkennen.
[HIM 1.410325b.14] Und da, wie früher gesagt wurde, alle Menschen zusammen einen Menschen ausmachen, wie einer alle – so suchet denn auch all das Übel in euch! Und habt ihr es gefunden und mit Meiner kräftigen Beihilfe aus euch geschafft, da werde Ich, als euer heiliger Vater, der Ich schon über den halben Weg euch entgegengekommen bin, vollends zu euch kommen, euch gänzlich von euren „Lumpen“ befreien und dann aufnehmen in das große Vaterhaus Meiner ewigen Liebe!
[HIM 1.410325b.15] Schließlich mache Ich euch nur noch darauf aufmerksam, daß Ich derzeit nicht nur euch, sondern auch schon vielen anderen „verlorenen Söhnen“ entgegengekommen bin.
[HIM 1.410325b.16] Merket aber vorzugsweise auf Meine Ankunft in euch selbst und kümmert euch weniger um die allgemeine! Was ihr fürs allgemeine empfindet, das traget Mir betend in eurem Herzen vor! Um alles andere kümmert euch nicht! Denn das große Wann, Wie und Warum ist in den besten Händen wohlverwahrt! Das sage Ich, euer großer, heiliger, liebevollster Vater. Amen.
 
 
 
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